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01.03.2017

GROßE ERWARTUNGEN

Während die CSSB-Mitarbeiter und -Wissenschaftler ihren Einzug in das neue Gebäude planen, teilen drei Wissenschaftler, die seit der Geburtsstunde des CSSB dabei sind, ihre Erwartungen und Hoffnungen für das neue Forschungszentrum.


Was erwarten Sie vom CSSB?

Professor Dirk Heinz: Wir sind hier nahe der Küste und daher lassen Sie es mich so sagen, ich erwarte vom CSSB, dass es eine Leuchtturmfunktion einnimmt. Ich erwarte, dass das CSSB ein weithin sichtbares Forschungszentrum wird für die Strukturbiologie unter Nutzung der weltweit einzigartigen Infrastrukturen, die hier vorhanden sind beziehungsweise sein werden. Ich erwarte, dass diese Leuchtturmfunktion aufgrund der spezifischen Ausrichtung des CSSB auf dem Gebiet der Infektionsforschung erfolgt.

Professor Matthias Wilmanns: Die Vielfalt der Methoden und die herausragende Qualität der Techniken, die wir am CSSB haben werden, sind weltweit einmalig. Mir ist wichtig zu betonen, dass wir mit dem DESY und dem Freien Elektronen-Laser XFEL eine weltweit führende Forschungsinfrastruktur nutzen werden, die international völlig unstrittig in der Champions League der Forschung spielt und zwar, um in der Sportsprache zu bleiben, mindestens im Halbfinale!

Prof. Dirk Heinz, Prof. Matthias Wilmanns, Prof. Chris Meier IMAGE: DESY

Professor Chris Meier: Ich teile die Auffassung, dass ein Forschungsschwerpunkt als gemeinsame Klammer nötig ist, dass das aber nicht bedeutet, sich ausschließlich auf diesen Schwerpunkt zu fokussieren. Meine Hoffnung ist, dass die Gemeinsamkeit der neun unterschiedlichen Partnerinstitutionen auch zu einer neuen Qualität in der gemeinsamen Forschung führt. Diese Chance finde ich ganz besonders spannend an diesem Projekt CSSB.

Sie haben alle immer daraufhin gearbeitet, dass es ein Forschungsgebäude gibt. Wäre diese Forschung nicht auch virtuell erfolgreich möglich?

Professor Dirk Heinz: Die Synchrotronstrahlung wird von zahlreichen Institutionen genutzt, die in der Strukturbiologie forschen und die jetzt auch Partner des CSSB sind. Unser Leitgedanke war, wenn wir das Forschungsgebäude auf dem Gelände des DESY errichten, dann haben wir einen schnelleren Zugang zu diesen einzigartigen Strahlungsquellen, als wenn wir diese nur von außen nutzen. Diese Option, die das CSSB jetzt eröffnet, ist ein unschlagbar wichtiges Argument, wenn man hervorragende Leute in eine Forschungseinrichtung rekrutieren möchte.

Professor Chris Meier: Wir alle sind weltweit virtuell vernetzt, kooperieren mit Kolleginnen und Kollegen in Australien, in den USA oder wo immer. Trifft man hingegen die Kolleginnen und Kollegen, die am CSSB ja aus unterschiedlichen Partnerinstituten kommen, in der Kantine, im Gang oder trinkt Kaffee oder Tee zusammen, kann man spontan Gedanken austauschen und spontan inspiriert werden. Das beflügelt die Forschung und ist unschlagbar für wissenschaftliche Kooperationen. Das ist der Vorteil dieses real existierenden Forschungszentrums.

Professor Matthias Wilmanns: Wir haben ein Forschungsgebäude errichtet, das die Kommunikation auf den unterschiedlichen Ebenen fördert, die persönliche Interaktion und zwar auch die spontane Interaktion erleichtert. Im CSSB wollen wir zusammen leben und zusammen arbeiten und so eine Kultur des Dialogs und Vertrauens auf Augenhöhe schaffen.

CSSB Gebäude IMAGE: Tina Mavric

Wo soll das CSSB in fünf Jahren stehen?

Professor Dirk Heinz: Ich glaube, man kann es als Erfolg werten, wenn das CSSB zu einer Einheit gewachsen ist. Man hat jetzt neun Einrichtungen, die partizipieren. Das heißt neun Arbeitsgruppen, die aus ganz unterschiedlichen Regionen Europas zusammenkommen und die zusammenwachsen müssen. Was mich freuen würde, wenn man in fünf Jahren über gemeinsame Publikationen und Forschungsprojekte, die eine weitreichende Ausstrahlungskraft haben, zeigt: Dieses Konzept hat funktioniert, die Leute arbeiten zusammen und die Ergebnisse ihrer Forschung sind mehr als die Einzelbausteine, die ein Partner liefern kann.

Professor Matthias Wilmanns: Persönlich ist es der Appell an diejenigen, die mitmachen, das CSSB mit der Haltung „Yes, you can do it!“ voranzubringen. Meine ernsthafte Erwartung ist, dass wir in fünf Jahren eine signifikante Anzahl von European Research Grants, ERCs haben, dass wir eine signifikante Anzahl von Leibniz-Preis-Trägern haben. Das ist realistisch, dann sind wir international sichtbar.

Professor Chris Meier: Der Anspruch muss sein, dass wir in der Weltspitze mitwirken wollen. In fünf Jahren erwarte ich vom CSSB, dass wir international sichtbar sind, dass unsere Mission weltweit bekannt und unsere Forschung als exzellent anerkannt ist. Ein Aufenthalt in unserem Research Hotel, mit dem der Nachwuchs uns zum Teil seiner wissenschaftlichen Karriere machen kann und von uns befähigt wird, komplexe Probleme von morgen anzugehen, soll begehrt sein, weil die Reputation des CSSB weltweit super ist.

Wenn Sie einen Wunsch frei haben...

Professor Chris Meier: Ich wünsche mir, dass wir in fünf Jahren soweit sind, dass wir die zweite Ausbaustufe beginnen können.

Professor Dirk Heinz: Schön wäre es, wenn das CSSB dazu beiträgt, dass ein neues Antibiotikum aus der Wissenschaft in die Anwendung kommt.

Professor Matthias Wilmanns: Ich wünsche mir, dass unser Research Hotel so attraktiv ist, dass die Vielfalt des CSSB bereichert wird.


Das Interview wurde im May 2016 durch die Journalistin Angela Grosse geführt. Das gesamte Interview wurde im "CSSB Inaugural Report" veröffentlicht.

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